Tampern: Wie fest du wirklich drücken musst (und warum die 15 kg ein Mythos sind)
Irgendwo steht, du sollst mit fünfzehn Kilo tampern. Seitdem drückst du. Fest. Und nach jedem misslungenen Shot drückst du beim nächsten Mal noch ein bisschen fester, weil du ehrlich gesagt keine Ahnung hast, wie sich fünfzehn Kilo in der Hand anfühlen. Hat auch sonst niemand. Genau das ist das Problem an dieser Zahl: Sie lässt sich nicht überprüfen, also lässt sie sich nicht verfehlen, also lässt sie sich nie korrigieren.
Vorher ein Punkt, der in deutschen Küchen häufiger zutrifft als anderswo. Wenn du einen Kaffeevollautomaten hast, tamperst du gar nicht. Das Verdichten passiert in einer versiegelten Brühgruppe, ein Kolben erledigt es nach einem patentierten Mechanismus, und du kommst da schlicht nicht ran. Kein Griff, keine Einstellung, keine Anzeige. Dieser Artikel ist trotzdem nicht nutzlos für dich, aber der Abschnitt weiter unten sagt dir konkret, welcher Teil davon dich betrifft und welcher nicht. Ich schicke dich nicht durch drei Kapitel Handgriffe, die du an deiner Maschine niemals ausführen kannst.
Dieser Artikel beruht auf keinem eigenen Test. Wir haben nichts gemessen, gewogen oder verkostet. Was folgt, verbindet ein veröffentlichtes Experiment von Barista Hustle, eine Studie zum Puckwiderstand von Jonathan Gagné, die Durchmesserangaben der Siebhersteller selbst und eine Rechnung, die du mit dem Taschenrechner nachvollziehen kannst. Wer was sagt, steht jeweils dabei.
Die Rechnung, die das Thema in drei Zeilen erledigt
Das Argument braucht kein Experiment. Es braucht eine Fläche und einen Druck.
Ein 58-mm-Sieb hat einen Innendurchmesser von etwa 58 mm, also einen Radius von 2,9 cm. Die Fläche ist damit π × 2,9², rund 26,4 cm². Espresso wird bei etwa 9 bar an der Brühgruppe extrahiert, und 1 bar entspricht ungefähr 1,02 Kilogramm pro Quadratzentimeter. Multipliziert: 9 × 1,02 × 26,4.
Ergibt 242 kg.
Mit dieser Kraft drückt die Pumpe während der fünfundzwanzig Sekunden der Extraktion auf dein Kaffeebett. Dein Tampern mit fünfzehn Kilo sind davon etwa 6 Prozent. Egal wie gründlich du das Mehl zusammenquetschst, das Wasser verdichtet es eine Sekunde später zehn- bis fünfzehnmal stärker. Das Argument ist alt und wird üblicherweise Scott Rao in The Professional Barista's Handbook zugeschrieben, aber du musst das niemandem glauben. Die Rechnung steht oben. Rechne nach.
Heißt nicht, dass Tampern sinnlos wäre. Heißt, dass Tampern nicht zum Verdichten da ist. Das übernimmt die Pumpe. Tampern gibt dem Bett seine Ausgangsform: flach, gleichmäßig, ohne Lufteinschlüsse, ohne eine Ecke, die weicher ist als der Rest. Vermessungsarbeit, keine Holzfällerei.
Woher die 9 bar kommen und warum auf deinem Karton 15 oder 19 stehen, haben wir separat aufgeschrieben: warum 9 bar der Druck ist, auf den es ankommt.
Woher kommen die 15 kg? Weiß keiner
Ich hab gesucht. Ernsthaft, und eine Weile.
Die Regel kursiert in zwei Fassungen, 15 kg im deutschsprachigen Raum und 30 lb im englischsprachigen, und das sind nicht mal dieselben Werte: 30 lb sind 13,6 kg. Keine der beiden lässt sich auf eine identifizierbare Primärquelle zurückführen. Kein Herstellerhandbuch, kein Ausbildungscurriculum, kein Gründungsartikel. Perfect Daily Grind hat der Zahl im Februar 2017 einen ganzen Beitrag gewidmet und ihren Ursprung ebenfalls nicht gefunden. Zitiert werden dort allerdings Charles Babinski von G&B Coffee und Scott Callender von La Marzocco, die beide öffentlich sagen, dass sie die Regel nicht teilen und Gleichmäßigkeit wichtiger finden als die Zahl.
Es ist also keine Lüge. Es ist etwas Unangenehmeres: eine verwaiste Anweisung. Irgendwer hat sie mal gesagt, sie klang präzise, sie hat sich verbreitet, und jetzt gibt sie jeder weiter in der Annahme, der Nächste wisse schon, woher sie stammt.
Dazu kommt ein Detail, das die Diskussion eigentlich beenden sollte. Kaum jemand wiegt sein Tampern. "Ich tampere mit 15 kg" ist damit in fast allen Fällen ein Glaube und keine Messung. Es ist nicht falsifizierbar: Wer mit 8 kg drückt und wer mit 25 kg drückt, sagen dir beide völlig aufrichtig, sie tamperten mit fünfzehn. Eine veröffentlichte Studie, die den Abstand zwischen geschätzter und tatsächlicher Kraft beziffert, hab ich nicht gefunden. Gibt's meines Wissens nicht, und mir wär's lieber gewesen, es gäbe sie.
Was die einzige verfügbare Messung sagt
Ein Experiment wird hier ständig zitiert, durchgeführt von Barista Hustle: Vergleich der Puckverdichtung zwischen einem bequemen und einem sehr kräftigen Tampern. Der gemessene Unterschied beträgt 3 Prozent, laut dem Bericht von Clive Coffee, der ihn ausdrücklich Barista Hustle zuschreibt.
Übliche Offenheit: Die Originalseite von Barista Hustle liegt hinter einer Anmeldung, die Methode konnte ich also nicht lesen. Stichprobengröße, Tampermodell, Waagengenauigkeit, nichts davon ist öffentlich zugänglich. Überprüfbar ist das berichtete Ergebnis, und es zeigt in dieselbe Richtung wie die Rechnung oben. Drei Prozent. Für einen Arm, der dreimal so viel leistet.
Aus der Forschung kommt auch kein Widerspruch. Die einschlägige Arbeit dieser Zeit, Systematically Improving Espresso, 2020 in Matter erschienen von Cameron und Koautoren, behandelt die Tamperkraft gar nicht erst als interessante Variable: Die Schlussfolgerungen betreffen Mahlgrad und Dosis. Mehr lege ich der Arbeit nicht in den Mund, sie ist kostenpflichtig und ich hab sie nicht vollständig gelesen.
Waagerecht schlägt fest. Das ist der ganze Artikel in einem Satz
Ein schief getampertes Bett mit 20 kg kanalisiert. Ein sauber waagerechtes mit 10 kg nicht.
Der Mechanismus ist simpel. Neigt sich der Tamper um zwei Grad, ist das Bett auf einer Seite dicker als auf der anderen, also auf einer Seite widerstandsfähiger. Wasser ist nicht sentimental. Es geht dorthin, wo der Widerstand am kleinsten ist. Ergebnis: Überextraktion auf der einen Seite des Siebs, Unterextraktion auf der anderen, und in der Tasse eine Mischung aus bitter und sauer, die keine Mühleneinstellung mehr rettet.
Eine methodische Anmerkung, weil sie zählt: Ich hab keine kontrollierte Studie gefunden, die Neigungswinkel gegen Channeling-Stärke misst. Es ist eine schlüssige mechanische Erklärung, von Trainern und Herstellern wortgleich wiederholt, aber kein Datensatz. Nimm es als Praktikerkonsens, nicht als Messung.
Was daraus folgt, ist deutlich brauchbarer als eine Kilozahl. Kraft ist nach Gefühl nicht reproduzierbar, und die Waagerechte auch nicht. Deine linke und deine rechte Hand tampern unterschiedlich. Dein Morgen-Tampern und dein Abend-Tampern ebenfalls.
Genau dieses Problem lösen selbstnivellierende Tamper und Federtamper: Sie tauschen eine Variable gegen eine Konstante. Der Körper des Werkzeugs stützt sich auf dem Siebrand ab, damit kann er nicht schief eintauchen, und ein Federanschlag löst bei einer festgelegten Kraft aus, unabhängig vom Enthusiasmus deines Arms. Du tamperst nicht mehr "richtig", du tamperst immer gleich. Weniger heldenhaft, deutlich wirksamer.
Die Hersteller sind sich selbst nicht einig
Kurios wird's, wenn man nachschaut, auf welche Werte diese Werkzeuge kalibriert sind. Sie widersprechen sich offen.
| Werkzeug | Angegebene kalibrierte Kraft |
|---|---|
| Normcore Spring-Loaded Tamper V4 | wechselbare Federn mit 15, 25 oder 30 lb, also 6,8 bis 13,6 kg (Produktseite Normcore) |
| ECM Pressure Regulating Tamper | 20 kg, fester Wert (Produktseite Whole Latte Love) |
| Die überall kursierende Regel | 15 kg, ohne Quelle |
| Ihre englische Fassung | 30 lb, also 13,6 kg |
Vom Einfachen zum Dreifachen zwischen Normcores weichster Feder und ECMs Festwert. Und das sind Firmen, deren Produkt einzig dazu da ist, genau diesen Wert festzuschreiben. Wenn sich die Leute, die dir die Konstante verkaufen, nicht einigen können, welche es ist, lautet der vernünftige Schluss nicht, die wahre Zahl zu suchen. Er lautet, mit der Zahlensuche aufzuhören.
Der Normcore V4 mit 58,5 mm ist der Prototyp dieser Kategorie: wechselbare kalibrierte Federn, flache Edelstahlbasis, und eine Kraft, die nicht mehr von deiner Morgenlaune abhängt.
Normcore Tamper à café expresso V4 58,5 mm à ressort calibré (6,8/11,3/13,6 kg)
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Die Personenwaagen-Übung
Mach's einmal. Einmal reicht. Nicht um zu lernen, mit fünfzehn Kilo zu tampern, sondern um herauszufinden, was deine Vorstellung von "fest" tatsächlich wiegt.
Personenwaage auf die Arbeitsplatte, den gefüllten Siebträger drauf, und dann tamperst du wie immer und schaust auf die Anzeige. Die meisten Leute liegen weit daneben, in die eine oder die andere Richtung. Manche stellen fest, dass sie mit 8 kg drücken, während sie sich für einen Kraftprotz halten. Andere quetschen mit 25 und wundern sich über ihr Handgelenk.
Eine Einschränkung, weil ich dir die Übung nicht besser verkaufen will, als sie ist. Die Technik taucht in Barista-Schulungsinhalten praktisch überall auf, aber ich hab keine benannte, datierte Primärquelle gefunden, die sie formalisiert. Das ist kein SCA-Protokoll, das ist ein Werkstatt-Trick. Und ihr Wert liegt nicht darin, einen Zielwert zu treffen: Sie zeigt dir, dass dein Gefühl schlecht schätzt. Wenn du das einmal gesehen hast, hörst du auf, in Kilo zu denken, und wendest dich dem zu, worauf es ankommt, nämlich Waagerechte und Wiederholbarkeit.
Falls du unbedingt einen Anhaltspunkt willst: Tampere, bis das Bett unter dem Werkzeug nicht mehr nachgibt, und hör dann auf. Dieser Moment ist spürbar, er kommt früh, und er liegt nicht bei fünfzehn Kilo. Er liegt da, wo er für deinen Mahlgrad, deine Dosis und dein Sieb heute eben liegt.
Der Durchmesser: die Variable, die keiner prüft, obwohl man sie prüfen kann
Hier ist ein Parameter, der wesentlich konkreter ist als Kraft, weil er auf einem Datenblatt steht.
Ein "58-mm-Sieb" hat keinen Innendurchmesser von exakt 58,00 mm, und ein 58-mm-Tamper lässt einen Ring ungetamperten Mehls an der Wand stehen. Diesen Ring findet das Wasser. Ein fertiger Vorzugsweg, rund um den gesamten Umfang.
Die Hersteller veröffentlichen ihre Empfehlungen, und die sind präzise:
VST, dessen Siebe geriffelt sind, gibt einen Tamper mit 58,3 mm an.
Decent Espresso empfiehlt für seine Siebe eine Basis von 58,35 mm und rät ausdrücklich von 58,5 mm ab: laut der eigenen Siebseite kann eine zu enge Passung den Puck beim Herausziehen anheben.
Riffellose Siebe wie IMS oder Pullman vertragen ein breiteres Band von 58,3 bis 58,55 mm, laut dem Vergleich von Clive Coffee.
Beachte die Umkehrung: Der von Herstellern dokumentierte Fehlerfall ist nicht der zu kleine Tamper, sondern der zu große auf einem geriffelten Sieb. Für den ungetamperten Ring beim unterdimensionierten Tamper hab ich ebenfalls keine veröffentlichte Messung gefunden, nur dieselbe mechanische Erklärung überall. Sie passt zum Rest, sie ist nicht beziffert, und so gebe ich sie weiter.
Die praktische Regel passt in eine Zeile: Lies den Durchmesser, den der Hersteller deines Siebs empfiehlt, nicht den auf deinem Tamper. Und wenn du auf ein Präzisionssieb wechselst, prüf nochmal.
Und wenn du einen Siebträger mit 51 oder 54 mm hast, was auf viele Einsteigermodelle von De'Longhi und Breville zutrifft, gilt dieselbe Regel mit anderen Zahlen: Miss dein Sieb, bevor du irgendwas bestellst. Zwei-in-eins-Werkzeuge, die Nivellieren und Tampern verbinden, gibt's auch in diesem Durchmesser, damit sind Waagerechte und Verteilung in einem Handgriff erledigt.
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Vor dem Tampern kommt das Verteilen
Hier versteckt sich der eigentliche Hebel, und hier schaut kaum jemand hin.
Kommt das Mehl in verklumpten Nestern aus der Mühle, löst kein Tamperdruck der Welt sie auf. Auf Klumpen zu tampern erzeugt bloß dichtere Klumpen. Das Tampern friert die Verteilung ein, es repariert sie nicht.
Jonathan Gagné hat auf Coffee ad Astra am 16. Januar 2021 eine Studie zum Puckwiderstand veröffentlicht, die direkt darauf zielt. Im Vergleich zwischen tiefem und oberflächlichem WDT misst er eine Verringerung der Streuung der Puckwiderstandswerte um rund 40 Prozent zugunsten des tiefen WDT. Und ein Protokolldetail wiegt schwerer als jedes Argument: Er hat die Tamperkraft über die gesamte Studie konstant gehalten, auf der Werkseinstellung eines Force Tampers. Getestet zu werden verdiente die Verteilung.
Sein eigenes Fazit fällt noch härter aus und gehört so zitiert, wie er es formuliert: Kein WDT-Stil behebe wirklich die Verteilungsprobleme, die beim Mahlen selbst entstehen. Damit rutscht die Kette noch eine Stufe weiter zurück, bis zur Mühle.
Die Rangfolge, die sich daraus ergibt, fällt fürs Ego des Arms ziemlich ernüchternd aus:
- Qualität der Mühle und Gleichmäßigkeit des Mahlguts.
- Verteilung im Sieb, WDT eingeschlossen.
- Waagerechtes Tampern.
- Deutlich abgeschlagen: die Tamperkraft.
Was die einzelnen Werkzeuge jeweils leisten, haben wir separat auseinandergenommen, falls du wissen willst, welches der drei dein Problem betrifft: Tamper, WDT und Waage, was sie wirklich bringen.
Ein WDT-Werkzeug ist ein Griff mit feinen Nadeln, die du vor dem Tampern durchs Mehl ziehst. Nichts Ausgeklügeltes, und genau das ist der Punkt: Es zerlegt die Nester, die die Mühle erzeugt hat.
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WDT oder Nivellierwerkzeug, was von beidem
Das sind zwei verschiedene Aufgaben, die ständig verwechselt werden. WDT rührt das Mehl mit Nadeln in der Tiefe auf. Ein Nivellierwerkzeug dreht sich flach oben auf dem Sieb und glättet die Oberfläche auf einstellbare Tiefe, ohne ins Bett hinabzugehen. Das zweite räumt die oberste Schicht auf, das erste löst die Klumpen dort, wo sie sitzen. Wenn du zum Anfang nur eins nimmst, nimm das WDT. Fehlendes Nivellieren fängt ein sauberes Tampern auf, umgekehrt gilt das nicht.
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Flach oder gewölbt, und ändert das was
Eine Frage, die ständig kommt, mit einer kürzeren Antwort als erhofft.
Eine flache Basis erzeugt eine ebene Fläche, also theoretisch gleichmäßigen Widerstand über den ganzen Durchmesser. Eine gewölbte Basis verdichtet in der Mitte etwas stärker, mit dem Gedanken, die Neigung des Wassers zum Siebrand auszugleichen. Beide Lager gibt's, beide haben Fürsprecher, und veröffentlichte Daten, die das entscheiden, hab ich nicht gefunden.
Ehrlich gesagt liegt flach gegen gewölbt weit hinter Waagerechte und Durchmesser auf der Liste dessen, was deine Tasse bestimmt. Als Einsteiger nimm flach. Bei einer Fläche, die eben sein soll, siehst du leichter, ob sie es ist.
Ein einfacher flacher Edelstahltamper erledigt die Sache völlig zufriedenstellend, ohne Mechanik, die man verstehen muss, und ohne Feder, die man auswählen muss. Prüf nur, dass er zum Durchmesser deines Siebs passt.
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Der Handgriff, konkret
Wenig zu tun, aber das Wenige zählt.
Stell den Siebträger auf eine stabile Unterlage, statt ihn beim Tampern in der Luft zu halten. Siebträger in der einen Hand, Druck mit der anderen, das ist der zuverlässigste Weg, eine Neigung einzubauen, weil nichts garantiert, dass die beiden Kräfte auf einer Achse liegen. Eine Tampermatte oder eine Tamperstation löst das in einem Handgriff.
Bring deinen Unterarm auf die Achse des Tampers. Handgelenk gerade, Ellenbogen darüber. Ein abgeknicktes Handgelenk schickt deine Kraft schief, und du merkst es nicht.
Runter, spüren, wie das Bett aufhört nachzugeben, aufhören.
Zur berühmten Vierteldrehung zum "Polieren" sind die Meinungen geteilt, und ich hab in keine Richtung etwas Belastbares anzubieten. Sie glättet die Oberfläche, sie kann den Puck aber auch vom Rand lösen. Ich mach's nicht, aber das ist eine Vorliebe, kein Beweis. Dasselbe gilt fürs Klopfen gegen den Siebträger: Es kann an der Wand haftendes Mehl lösen, es kann auch das Bett anreißen. Wenn du klopfst, klopf sanft, und tampere danach.
Eine Matte aus lebensmittelechtem Gummi in der Ecke der Arbeitsplatte reicht: Sie klemmt den Auslauf des Siebträgers fest und lässt dir beide Hände frei, um gerade nach unten zu drücken.
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Für alle mit Kaffeevollautomat: was dich davon betrifft
Oben stand's schon kurz, hier ausführlich, weil es in Deutschland auf sehr viele Leser zutrifft.
Im Vollautomaten läuft alles in einer versiegelten Brühgruppe ab. Ein Kolben verdichtet das Mehl nach einem patentierten, herstellerspezifischen Mechanismus. Du siehst ihn nicht, du stellst ihn nicht ein, und an der aufgebrachten Kraft änderst du nichts.
Bemerkenswert: Kein Hersteller, weder De'Longhi noch Jura, veröffentlicht in seinen Verbraucherdatenblättern einen Verdichtungswert. Angegeben wird der Pumpendruck, je nach Baureihe 15 oder 19 bar, und das ist eine völlig andere Größe. Die interne Verdichtungskraft bleibt in den Patenten.
Für dich gelten aus diesem Artikel also die Abschnitte zu Mahlgrad und Dosis, nicht die zum Handgriff. Deine Stellschrauben sind Mahlfeinheit, Kaffeemenge pro Tasse und Bohnenfrische. Wir gehen sie hier durch: die 7 Stellschrauben für eine gute Tasse.
Schlusswort
Wenn du eine Sache mitnimmst: Ersetz die 15 kg nicht durch eine andere Zahl. Lass die Zahl weg.
Das Bett muss nicht zerquetscht werden. Es muss flach und gleichmäßig sein und auf ordentlich verteiltem Mehl liegen. Den Rest erledigt die Pumpe, und zwar mit dem Zehn- bis Fünfzehnfachen deiner Kraft, ob du willst oder nicht.
Was mich an der Geschichte ein bisschen nervt: Die Kilozahl hat jahrelang die Aufmerksamkeit gebunden, die der Mühle zugestanden hätte. Der schlichteste Tamper im Regal, sauber waagerecht auf gleichmäßiges Mehl gesetzt, schlägt jeden Wettbewerbstamper, der schief in Klumpen gedrückt wird. Verkauft sich schlecht. Stimmt trotzdem.
Und falls du am Anfang stehst und nicht weißt, womit du beim Zubehör anfangen sollst, hier ist die Reihenfolge: was du als Einsteiger zuerst kaufst.
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Häufig gestellte Fragen
Muss ich wirklich mit 15 kg tampern?
Nein, und die Zahl hat keine belegbare Quelle. Perfect Daily Grind hat ihr 2017 einen Artikel gewidmet, ohne den Ursprung zu finden, und zitiert Trainer von La Marzocco und G&B Coffee, die die Regel öffentlich ablehnen. Das deutlichere Argument ist Rechnen: Die Pumpe drückt bei 9 bar mit rund 242 kg auf einen 58-mm-Puck, dein Arm mit 15. Ziel ist ein flaches, gleichmäßiges Bett, keine Kilozahl.
Wird der Espresso kräftiger, wenn ich fester tampere?
Nein. Ein Experiment von Barista Hustle, berichtet von Clive Coffee, misst rund 3 Prozent Unterschied in der Verdichtung zwischen bequemem und sehr kräftigem Tampern. Jenseits des Punktes, an dem das Bett nicht mehr nachgibt, verdichtet zusätzliche Kraft kaum noch etwas. Fehlt deinem Shot Körper, schau auf Mahlgrad, Dosis und Brühverhältnis statt aufs Handgelenk.
Woran erkenne ich, ob ich gerade tampere?
Schau dir die Oberfläche des Betts bei gutem Licht an, bevor du den Siebträger einspannst. Sie sollte eben sein, ohne sichtbar tiefere Seite. Stell den Siebträger immer auf eine stabile Unterlage und halte den Unterarm in der Achse des Tampers. Wenn die Frage ganz verschwinden soll: Ein selbstnivellierender Tamper stützt sich am Siebrand ab und kann mechanisch nicht schief eintauchen.
Welchen Tamperdurchmesser brauche ich für ein 58-mm-Sieb?
Richte dich nach der Empfehlung deines Siebherstellers, nicht nach einer allgemeinen Regel. VST gibt für seine geriffelten Siebe 58,3 mm an. Decent Espresso empfiehlt 58,35 mm und rät von 58,5 mm ab, weil das den Puck beim Herausziehen anheben kann. Riffellose Siebe wie IMS oder Pullman vertragen 58,3 bis 58,55 mm. Ein zu kleiner Tamper lässt einen Ring ungetamperten Mehls an der Wand.
Lohnt die Vierteldrehung zum Polieren?
Die Meinungen sind geteilt, und veröffentlichte Daten dazu hab ich nicht gefunden. Die Drehung glättet die Oberfläche, kann den Puck aber auch vom Siebrand lösen. Ein Pflichtschritt ist sie nicht. Wenn du sie machst, mach sie leicht und immer gleich, denn Gleichmäßigkeit schlägt eine perfekte Technik, die nur jedes zweite Mal gelingt.
Spielt Tampern beim Kaffeevollautomaten eine Rolle?
Nein, du hast keinerlei Zugriff darauf. Das Verdichten passiert in einer versiegelten Brühgruppe durch einen internen Kolben nach einem patentierten, markenspezifischen Mechanismus. Weder De'Longhi noch Jura veröffentlichen dazu einen Verdichtungswert in ihren Verbraucherunterlagen. Bei dieser Bauart sind Mahlfeinheit, Dosis pro Tasse und Bohnenfrische deine echten Stellschrauben.
Quellen
- im Februar 2017 einen ganzen Beitrag gewidmet perfectdailygrind.com
- laut dem Bericht von Clive Coffee clivecoffee.com
- *Systematically Improving Espresso*, 2020 in Matter erschienen doi.org
- Produktseite Normcore normcorewares.com
- Produktseite Whole Latte Love wholelattelove.com
- laut der eigenen Siebseite decentespresso.com
- laut dem Vergleich von Clive Coffee clivecoffee.com
- am 16. Januar 2021 eine Studie zum Puckwiderstand veröffentlicht coffeeadastra.com