Espresso bitter oder sauer: den Fehler am Geschmack finden
Die Regel kennt jeder, und sie passt in eine Zeile: sauer heißt unterextrahiert, bitter heißt überextrahiert. Sie stimmt. Sie reicht nur nicht. Zwei Fälle lässt sie aus, und ausgerechnet in denen dreht man sich wochenlang im Kreis: die Tasse, die gleichzeitig sauer und bitter ist, und die Tasse, die bitter bleibt, egal was du an der Maschine machst, weil der Fehler gar nicht in der Maschine sitzt, sondern in der Tüte.
Der teuerste Reflex in diesem Thema ist, nach jedem enttäuschenden Bezug einfach feiner zu mahlen. Das klappt in der Hälfte der Fälle. In der anderen Hälfte macht es alles schlimmer, und weil sich der Geschmack ja trotzdem verändert, glaubst du, du kommst voran.
Hier läuft es andersherum. Erst die Tasse lesen, dann die Richtung des Fehlers bestimmen, dann genau eine Variable anfassen. Die Zahlen unten stammen aus den Protokollen der Specialty Coffee Association (SCA) und aus einer lebensmittelchemischen Arbeit, die weiter unten zitiert wird. Nichts davon ist eine Verkostung aus eigener Hand.
Bitter und sauer sind keine zwei Aromen, sondern zwei Richtungen
Extraktion ist ein Kontinuum. Wasser löst die Bestandteile des Kaffees in einer ziemlich stabilen Reihenfolge heraus: zuerst die Säuren und ein Teil der Zucker, danach die Bitterstoffe und die Gerbstoffe. Ein zu kurzer Bezug bleibt am Anfang dieser Liste stehen. Ein zu langer geht zu weit hinein.
Die Specialty Coffee Association setzt das brauchbare Fenster bei 18 % bis 22 % Extraktionsausbeute an, also bei dem Anteil der Kaffeetrockenmasse, der am Ende gelöst in der Tasse landet. Unter 18 % wird die Tasse dort als sauer, salzig und flach beschrieben. Über 22 % als bitter, trocken, adstringierend. Das sind die Grenzen aus dem Brewing Control Chart der SCA und keine hier gemessenen Werte.
Ein Refraktometer brauchst du dafür nicht. Diese beiden Grenzen sagen dir vor allem eines: „zu viel Geschmack“ gibt es nicht. Es gibt nur eine Richtung, in die du zu weit oder nicht weit genug gegangen bist.
| Was du im Mund hast | Wahrscheinliche Richtung | Was das heißt |
|---|---|---|
| Spitz, salzig, kurzer und leerer Abgang | Unterextraktion | Das Wasser hat zu wenig gelöst: Mahlgrad zu grob, Bezugszeit zu kurz |
| Rau, austrocknend, kratzt hinterher auf der Zunge | Überextraktion | Das Wasser hat zu viel gelöst: Mahlgrad zu fein, Bezugszeit zu lang, Wasser zu heiß |
| Sauer und bitter im selben Schluck | Ungleichmäßige Extraktion (Channeling) | Das Wasser lief durch Kanäle: ein Teil überextrahiert, der Rest unterextrahiert |
| Bitter, aber glatt, ohne Schärfe, Zartbitter oder verbrannt | Vermutlich die Bohne | Dunkle Röstung: die Bitterkeit steckt schon im Rohstoff |
| Dünn, wässrig, wenig Körper, kein klarer Fehler | Brühverhältnis zu lang | Zu viel Wasser für die Einwaage gezogen |
Zeile drei deckt die einfache Regel nicht ab. Und sie ist an einem schlecht vorbereiteten Siebträger die mit Abstand häufigste.
„Sauer“ und „Säure“ sind ein Wortstamm und zwei Gegenteile
Das ist die wertvollste Unterscheidung im ganzen Text, weil sie festlegt, in welche Richtung du überhaupt drehst. Und im Deutschen ist sie schwerer als in anderen Sprachen, weil die Sprache hier gegen dich arbeitet.
Sauer meint bei uns beides. Den Extraktionsfehler und die angenehme Fruchtsäure. Säure dagegen ist im deutschen Kaffeejargon fast immer ein Lob: „ein Kaffee mit schöner Säure“ ist ein Kompliment, „der ist mir zu sauer“ ist eine Beschwerde, und beide Sätze benutzen dasselbe Wort. Der eine Trinker beschreibt damit eine Qualität, der andere einen Defekt.
Deshalb lohnt es sich, im Kopf drei Wörter für den Fehler zu reservieren und eines für die Qualität.
Sauer, spitz, dünn ist der Fehler. Spitz beschreibt den Angriff vorne auf der Zunge, dünn den fehlenden Körper. Zusammen mit einem leeren Abgang ist das die Signatur der Unterextraktion.
Fruchtige Säure ist die Qualität. Sie hat immer eine Frucht dabei und meistens eine Süße, die hinterherkommt.
Wenn du das nächste Mal in ein Forum schreibst, dass dein Espresso „sauer“ ist, schreib gleich dazu, ob eine Frucht drinsteckt. Diese eine Zusatzangabe entscheidet, ob dir jemand rät, feiner zu mahlen, oder ob dir jemand rät, an der Tasse nichts zu ändern.
Die Kaffee-Aromarad, die 2016 von der SCA gemeinsam mit World Coffee Research veröffentlicht wurde, trennt die beiden im inneren Ring explizit: Sour/Fermented auf der einen Seite, Fruity auf der anderen. Das sind keine zwei Intensitäten derselben Sache, sondern zwei getrennte Kategorien. Die erste sammelt essigartige und gärige Eindrücke, Essig und gereifter Käse. Die zweite sammelt Zitrusfrüchte, rote Beeren, Steinobst.
Übersetzt auf deine Tasse:
Fruchtige Säure hat eine Frucht hinter sich. Zitrone, Apfel, rote Beeren, manchmal eine Süße, die erst nach dem Schlucken hochkommt. Sie gibt Länge und Relief. Sie ist eine Qualität und auf einem hell gerösteten Äthiopier oder Kenianer sogar das Ziel.
Ein saurer Espresso hat keine Frucht. Er ist spitz, ohne aromatisch zu sein, er greift vorne die Zunge an, er bricht ab und lässt nichts zurück. Das ist ein Extraktionsfehler.
Der Mechanismus der Falle ist simpel. Wer von kräftigem Filterkaffee oder einem italienischen Blend kommt, findet jeden korrekt extrahierten hellen Kaffee erst mal „sauer“. Also mahlt er feiner, um die Säure loszuwerden. Und er schafft es auch: Jenseits von 22 % Extraktion überdecken die Bitterstoffe die Säuren, und die Tasse wird gleichförmig. Nur hat er die Frucht gleich mit zerstört und ein flaches Braun bekommen, das er irgendwann genauso enttäuschend findet.
Der Test, der die Sache entscheidet: Gib zwei oder drei Gramm heißes Wasser in den Espresso und verdünne ihn leicht. Öffnet sich die Säure zur Frucht hin, ist es Säure und die ist gut. Bleibt sie spitz und leer, ist es der Fehler, und du musst mehr extrahieren.
Falle Nr. 1: derselbe Mahlgrad kann beide Fehler gleichzeitig erzeugen
Das ist der Punkt, der die einfache Regel bricht, und deshalb steht er vor dem Entscheidungsbaum und nicht danach.
Feiner zu mahlen erhöht den Widerstand des Pucks und damit normalerweise die Kontaktzeit und die Extraktion. Bis zu einem bestimmten Punkt. Danach wird der Puck zu dicht, um gleichmäßig durchströmt zu werden, das Wasser unter Druck sucht sich den Weg des geringsten Widerstands und gräbt sich Kanäle. Das ist Channeling.
Was dann in die Tasse läuft, ist nicht „mehr extrahiert“. Es ist eine Mischung aus zwei Kaffees: dem Kaffee direkt an den Kanälen, weit über das brauchbare Fenster hinaus ausgelaugt, und dem gesamten Rest des Pucks, den das Wasser kaum berührt hat. Im Mund ergibt das genau diese irritierende Tasse, die bitter und sauer ist und die man meist als „hohl“ oder „unausgewogen“ beschreibt.
Wer diesen Mechanismus nicht kennt, fährt die Diagnose sofort gegen die Wand. Du schmeckst die Bitterkeit, schließt auf Überextraktion, mahlst gröber, und die Säure, die vorher schon da war, wird dominant. Also drehst du zurück. Und drehst.
Drei Zeichen unterscheiden Channeling von einer schlichten Überextraktion:
- Der Fluss ist unregelmäßig. Es spritzt, beschleunigt plötzlich, oder es kommen zwei Strahlen heraus, die nicht zusammenfinden.
- Die Bezugszeit ist kurz, obwohl der Mahlgrad fein ist. Ein enger Mahlgrad, durch den das Wasser schnell durchrauscht, ist Wasser, das am Kaffee vorbeigelaufen ist.
- Der Puck zeigt nach dem Bezug einen Krater oder ein Loch, oder er bleibt in der Mitte pappig nass.
Die Korrektur ist nicht der Mahlgrad. Sie ist die Puckvorbereitung: Klümpchen auflösen, das Kaffeemehl gleichmäßig verteilen, plan tampern. Genau dafür gibt es die Werkzeuge weiter unten.
Falle Nr. 2: eine dunkle Röstung ist chemisch bitter, nicht durch die Einstellung
Der zweite Fall, in dem Schrauben an der Maschine nichts bringt.
Lebensmittelchemische Arbeiten unter Leitung von Thomas Hofmann an der Technischen Universität München, vorgestellt 2007 auf der Tagung der American Chemical Society, haben zwei Substanzfamilien als Träger der Kaffeebitterkeit identifiziert. Koffein gehört nicht dazu, dessen Rolle erwies sich als zweitrangig. Die Röstung wandelt die Chlorogensäuren der grünen Bohne zuerst in Chlorogensäure-Lactone um, die für die milde Bitterkeit einer hellen bis mittleren Röstung verantwortlich sind. Röstet man weiter, zerfallen diese Lactone zu Phenylindanen, die in dieser Arbeit als Träger einer harten, lang anhaltenden Bitterkeit beschrieben werden und in dunklen Röstungen in deutlich größerer Menge vorliegen.
Die praktische Folge ist direkt. Eine Bitterkeit chemischer Herkunft steckt schon in der Bohne, bevor der erste Tropfen Wasser sie berührt. Gröber zu mahlen senkt sie ein wenig, weniger Extraktion heißt weniger von allem, aber der Preis ist ein dünner Kaffee, und der verbrannte Charakter bleibt trotzdem stehen.
So erkennst du eine Bitterkeit aus der Bohne statt aus der Einstellung:
Sie ist glatt und gleichmäßig, nicht rau und nicht austrocknend. Eine Überextraktion trocknet den Mund aus. Eine dunkle Röstung ist bitter, ohne anzugreifen.
Sie ist stabil. Du drehst den Mahlgrad eine Stufe, die Bezugszeit verändert sich, die Textur verändert sich, und die Bitterkeit rührt sich kaum.
Die Bohne selbst ist sehr dunkel und ölig an der Oberfläche. Ein Fettfilm auf den Bohnen ist der sichtbare Marker einer weit getriebenen Röstung.
In diesem Fall ist die einzige sinnvolle Korrektur die Kaffeetüte. Und das ist auch der Grund, warum man seine ersten Einstellversuche nie mit einer unbekannten, sehr dunklen Bohne machen sollte. Du stellst dann blind gegen eine Bitterkeit ein, die du gar nicht verschieben kannst.
Der Entscheidungsbaum, in der Reihenfolge, in der er funktioniert
Eine Variable auf einmal, und zwischen jeder Änderung wird neu gemessen. Zwei Dinge gleichzeitig zu ändern macht das Ergebnis unlesbar.
Schritt 0: messen, bevor du urteilst. Ohne Einwaage, Auswaage und Zeit diagnostizierst du nichts, du kommentierst. Die Espresso-Protokolle der SCA nehmen als Referenz ein Brühverhältnis von 1:2 in Masse, also ein Gramm gemahlener Kaffee auf zwei Gramm Espresso in der Tasse, mit Wasser zwischen 90,5 °C und 96 °C und einem Extraktionsdruck von rund 9 bar. Die klassische Espresso-Definition der SCA setzt die Durchlaufzeit zwischen 20 und 30 Sekunden an. Notiere dir diese drei Zahlen für jeden Bezug.
Die Zahl auf dem Karton der Maschine, 15 bar oder 19 bar, ist ein vom Hersteller angegebener maximaler Pumpendruck. Das ist nicht der Druck, bei dem dein Kaffee extrahiert wird, und sie kommt in keinem einzigen Schritt dieser Diagnose vor.
Schritt 1: Läuft der Bezug gleichmäßig? Schau dir den Siebträger beim Laufen an. Spritzer, auseinanderlaufende Strahlen, plötzliche Beschleunigung, das ist Channeling, dann geh direkt zu Schritt 2. Ein gleichmäßiger, sirupartiger Fluss, der langsam heller wird, führt dich zu Schritt 3.
Schritt 2: die Puckvorbereitung korrigieren, nicht den Mahlgrad. Klümpchen mit einem Verteilwerkzeug auflösen, die Oberfläche egalisieren, plan und ohne Kraftakt tampern. Dann einen neuen Bezug machen und neu messen, bevor du irgendetwas anderes anfasst.
Schritt 3: Stimmt das Brühverhältnis? Hast du deutlich mehr als die doppelte Einwaage gezogen, wird die Tasse verdünnt und am Ende oft bitter, weil das überschüssige Wasser den Puck weiter auslaugt. Hast du deutlich weniger gezogen, wird sie konzentriert und sauer. Bring das Verhältnis in die Nähe von 1:2, bevor du das Mahlwerk anfasst.
Schritt 4: Passt die Bezugszeit zum Brühverhältnis? Bei korrektem Verhältnis heißt eine deutlich zu kurze Zeit, dass der Mahlgrad zu grob ist, eine deutlich zu lange, dass er zu fein ist. Erst hier kommt das Mahlwerk ins Spiel, und zwar eine Stufe nach der anderen.
Schritt 5: es ist die Bohne. Verhältnis passt, Zeit passt, Fluss gleichmäßig, und die Tasse bleibt bitter und glatt: dann steckt der Fehler nicht mehr in der Maschine. Wechsle den Kaffee, oder akzeptiere, dass dieser hier gibt, was er hat.
| Variable | Richtung | Wirkung auf die Extraktion | Wann anfassen |
|---|---|---|---|
| Puckvorbereitung (WDT, Tampern) | Gleichmäßiger | Beseitigt Kanäle, vereinheitlicht | Zuerst, sobald der Fluss unregelmäßig ist |
| Brühverhältnis (Auswaage / Einwaage) | Länger | Stärkere Extraktion, leichterer Körper | Vor dem Mahlwerk |
| Mahlgrad | Feiner | Stärkere Extraktion | Eine Stufe nach der anderen, nach dem Verhältnis |
| Wassertemperatur | Heißer | Stärkere Extraktion | Nur wenn die Maschine es zulässt |
| Einwaage | Höher | Bei gleichem Volumen schwächere Extraktion | Zuletzt, wenn das Sieb nicht passt |
| Bohne (Röstung, Frische) | Heller, frischer | Ändert den Rohstoff, nicht die Extraktion | Wenn alles andere im Ziel ist |
Das Werkzeug, das die Diagnose überhaupt möglich macht
Keines dieser Teile verbessert für sich genommen einen Kaffee. Sie machen die Diagnose wiederholbar. Ohne Messung weißt du nicht, ob die Änderung, die du gerade gemacht hast, überhaupt gewirkt hat. Und ohne gleichmäßige Puckvorbereitung weißt du nicht, ob der Fehler aus der Einstellung kommt oder daraus, wie du das Sieb gefüllt hast.
Die Waage ist die erste Anschaffung, vor allem anderen. Eine Küchenwaage mit Grammauflösung reicht für ein Espresso-Verhältnis nicht: zwei Gramm Abweichung auf einer Einwaage von achtzehn sind bereits ein anderes Brühverhältnis. Du brauchst 0,1 g Auflösung und einen Timer, idealerweise während des Bezugs unter der Tasse.
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Das WDT-Werkzeug löst die Klümpchen im Kaffeemehl auf. WDT steht für Weiss Distribution Technique, benannt nach dem Barista, der sie bekannt gemacht hat. Frisch gemahlener Kaffee verklumpt zu kleinen Nestern, diese Nester lassen Hohlräume um sich herum, und die Hohlräume werden unter Druck zu Kanälen. Ein paar feine Nadeln, im Sieb umgerührt vor dem Tampern, zerlegen die Nester. Direkter lässt sich Falle Nr. 1 nicht beheben.
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Beim Tamper entscheidet die Ebenheit, nicht die Kraft. Ein schief getampter Puck hat auf einer Seite eine weniger dichte Zone, und dort läuft das Wasser bevorzugt durch. Ein selbstnivellierender Tamper nimmt diese Variable heraus, weil er am Siebrand aufsetzt. Das hilft besonders am Anfang, wenn du noch nicht weißt, ob die Unregelmäßigkeit aus deiner Hand kommt oder aus der Einstellung.
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Die Mühle ist die Variable, nicht das Zubehör. Sie ist das einzige Teil, das dir eine feine und wiederholbare Einstellung des Mahlgrads gibt, und sie entscheidet außerdem über die Gleichmäßigkeit der Partikel. Ein breites Partikelspektrum produziert gleichzeitig überextrahierte Feinanteile und unterextrahierte grobe Stücke, also exakt die bitter-und-sauer-Signatur von oben, ganz ohne dass ein einziger Kanal im Spiel wäre. Ein Scheibenmahlwerk ist Pflicht. Ein Schlagmahlwerk zerhackt nach Zufall und lässt sich nicht einstellen.
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Ein bodenloser Siebträger macht Channeling sichtbar. Ein normaler Siebträger versteckt die Extraktion hinter dem Auslauf – du siehst nur, was unten schon vermischt herauskommt. Ein nackter Siebträger legt die Unterseite des Siebs frei: ein schräg wegspritzender Strahl, eine Stelle, die früher blond wird als der Rest, oder ein seitlich herausschießender Faden fallen sofort auf. Es ist das einzige Werkzeug in dieser Liste, das dir sagt, wo der Puck nachgegeben hat, und nicht bloß, dass etwas nicht stimmt.
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Entkalker behebt eine Ursache, an die das Mahlwerk nie herankommt. Kalk im Wasserkreislauf verfälscht die Brühtemperatur und legt über jede Tasse dieselbe kreidige Bitterkeit, egal wie du einstellst. Das ist das Erste, was du ausschließen solltest, wenn ein Fehler alle Schritte oben übersteht.
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Wenn es weder der Mahlgrad noch die Bohne ist
Vier Ursachen, die sich an der Mühle nicht beheben lassen und die trotzdem regelmäßig vergessen werden.
Das Wasser. Sehr kalkhaltiges Wasser gibt flache Tassen und eine kreidige Bitterkeit, und es verkalkt nebenbei die Maschine. Zu weiches oder vollentsalztes Wasser gibt das Gegenteil: eine nackte Säure ohne Körper. Das ist eine echte Variable mit eigenen professionellen Standards. Wenn alles andere im Ziel ist und die Tasse trotzdem seltsam schmeckt, prüf dein Wasser, bevor du weiter an Einstellungen drehst.
Die Frische der Bohne, und zwar in beide Richtungen. Ein Kaffee, der zu lange ausgegast ist, verliert seine Aromatik und gibt eine flache, bittere Tasse. Ein zu frischer Kaffee, erst vor wenigen Tagen geröstet, gast noch stark CO₂ aus, was den Durchlauf stört und den Fluss instabil macht. Ergebnis: wieder sauer und bitter gemischt.
Das Sieb und seine Kapazität. Ein Sieb, das für eine bestimmte Menge ausgelegt ist und zu locker gefüllt wird, lässt zu viel Kopfraum, und der Puck verformt sich unter Druck. Zu voll gefüllt stößt er an die Dusche und bekommt einen Abdruck. Beides erzeugt eine ungleichmäßige Extraktion, die kein Mahlgrad je ausgleicht.
Verharzte Brühgruppe und Duschsieb. Kaffeeöle werden ranzig. Eine nicht gereinigte Brühgruppe legt allen Tassen eine konstante ranzige Bitterkeit unter, unabhängig von jeder Einstellung. Und genau dann verdächtigt man zu Unrecht die Bohne. Die regelmäßige Reinigung der Brühgruppe gehört zur Diagnose, nicht in die Kategorie optionale Pflege.
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Die Diagnose oben setzt voraus, dass die Maschine dich an Mahlgrad, Einwaage und Brühverhältnis heranlässt. Das ist nicht überall so. Bei vielen Kaffeevollautomaten ist ein Teil dieser Variablen verriegelt, und die Einstellung beschränkt sich auf die Mahlgradskala des integrierten Mahlwerks. Falls du gerade auswählst: unser Vergleich der Kaffeevollautomaten zeigt, welche Geräte dir bei diesen Parametern wirklich die Hand lassen, und die Kaufberatung für Einsteiger erklärt, welche Einstellmöglichkeiten du von einem Einstiegsgerät verlangen solltest, um nicht schon beim ersten enttäuschenden Kaffee festzustecken.
Zitierte Quellen: Specialty Coffee Association, Brewing Control Chart und Espresso-Protokolle; Specialty Coffee Association und World Coffee Research, Coffee Taster's Flavor Wheel, 2016; T. Hofmann et al., Technische Universität München, Arbeiten zu den Bitterstoffen des Kaffees, vorgestellt auf der Tagung der American Chemical Society, 2007.
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Häufig gestellte Fragen
Mein Espresso ist gleichzeitig bitter und sauer, geht das?
Ja, und es ist sogar sehr häufig. Fast immer steckt eine ungleichmäßige Extraktion dahinter: Das Wasser ist durch Kanäle gelaufen statt gleichmäßig durch den Puck. Der Kaffee am Rand dieser Kanäle ist überextrahiert, also bitter. Der Rest wurde kaum berührt, also sauer. Die Korrektur ist nicht der Mahlgrad, sondern die Puckvorbereitung: Klümpchen auflösen, das Kaffeemehl gleichmäßig verteilen, plan tampern.
Wie erkenne ich, ob es die Einstellung oder die Bohne ist?
Eine Bitterkeit aus der Extraktion ist rau und austrocknend, und sie bewegt sich, wenn du den Mahlgrad eine Stufe änderst. Eine Bitterkeit aus der Röstung ist glatt, gleichmäßig und bleibt über alle Einstellungen hinweg stabil. Eine sehr dunkle, ölig glänzende Bohne ist ein zuverlässiger optischer Hinweis. Wenn Brühverhältnis und Bezugszeit im Ziel sind und sich die Bitterkeit nicht rührt, sitzt der Fehler in der Tüte.
Feiner oder gröber mahlen, wenn der Espresso sauer ist?
Feiner, aber erst nachdem du Brühverhältnis und Gleichmäßigkeit des Flusses geprüft hast. Ein saurer Espresso ist unterextrahiert: Ein feinerer Mahlgrad erhöht den Widerstand, verlängert die Kontaktzeit und extrahiert mehr. Eine Stufe nach der anderen, und zwischen jedem Versuch Einwaage, Auswaage und Zeit neu messen. Zwei gleichzeitige Änderungen machen das Ergebnis unmöglich zu deuten.
Ist Säure in der Tasse immer ein Fehler?
Nein, und im Deutschen führt genau dieses Wort in die Irre. Das 2016 von der SCA gemeinsam mit World Coffee Research veröffentlichte Aromarad trennt die Familie Sour/Fermented von der Familie Fruity, das sind zwei getrennte Kategorien. Eine Säure mit Frucht dahinter, Zitrone, Apfel, rote Beeren, ist eine Qualität und auf hellen Röstungen sogar das Ziel. Ein saurer Espresso ist spitz ohne Aroma und lässt im Abgang nichts zurück. Leichtes Verdünnen entscheidet die Frage.
Ändern die 15 oder 19 bar auf meiner Maschine den Geschmack?
Nein. Das ist ein vom Hersteller angegebener maximaler Pumpendruck und nicht der Druck, bei dem der Kaffee extrahiert wird. Die Espresso-Protokolle der SCA nehmen rund 9 bar als Extraktionsreferenz. Eine mit 19 bar beworbene Maschine extrahiert deshalb nicht besser. Über die Tasse entscheiden Mahlgrad, Einwaage, Brühverhältnis und die Vorbereitung des Pucks.
Reicht ein Schlagmahlwerk für Espresso?
Nein, jedenfalls nicht zuverlässig. Ein Schlagmahlwerk zerhackt die Bohne nach Zufall und erzeugt gleichzeitig sehr feine Partikel und grobe Brocken. Die Feinanteile überextrahieren, während die groben Stücke unterextrahiert bleiben, und heraus kommt genau die bittere und saure Tasse von oben, die sich durch keine Einstellung korrigieren lässt. Für Espresso ist ein verstellbares Scheibenmahlwerk das Minimum.